Lady K. und ein Geständnis.

Ich treffe Frau K. sehr oft beim spazieren gehen.
Am Anfang, als ich hier neu war, habe ich sie echt jeden Tag getroffen. Jeden Morgen mit ihrem kleinen Hund, den ich nicht mal Hund nennen würde.

Ich wusste nicht, wer sie ist und habe mich, wie immer, gefreut. Einfach darüber, dass mir ein Mensch freundlich begegnet, mich anlächelt, mich fragt, wie es mir geht und ob ich mich schon eingelebt habe.
Frau K. liebt unser Kleines. Wenn sie angestrahlt wird sieht man, wie ihr Herz aufgeht. Manchmal glaube ich, dass das ihr Tageshöhepunkt sein könnte. Zumindest an manchen Tagen. Angelächelt zu werden von einem Kind. Von einem so kleinen Kind.

Frau K. hat es nicht leicht im Leben. Ich weiß das nicht, aber man sieht es ihr an. Sie sieht ausgezehrt aus. Nicht abgemagert, nicht fett - aber krank. Sie geht sehr humpelig, sie hat komische graue, krause aber fusselige Haare. Sie ist auch nicht gut gekleidet. Ihre Falten kommen nicht nur vom Alter sondern auch vom Gram.
Ihre Erscheinung ist keine attraktive, sie ist vermutlich nicht die Ausgeburt an Intelligenz.
Aber sie meint es nicht böse mit ihren Mitmenschen.
Ob sie ein gutes Herz hat, kann ich nicht sagen. Aber sie ist keine Böse, kein Lästermaul und nicht falsch.

Das Problem mit Frau K. ist, dass sie und ihr Mann in einem Haus wohnen, das nicht sonderlich in die Gegend passt, in der es steht. Dort gibt es eher besser situierte Häuser und Leute. Familie K. passt nicht in diese Gegend und passt nicht in dieses Metier.
Demnach sind sie dort nicht besonders gemocht. Auch nicht offensichtlich nicht gemocht. Aber eher geduldet. Am ehesten geduldet.
Als ich das erfuhr, war ich zuerst peinlich berührt. Ich unterhielt mich täglich mit dieser Frau - und in der Upper Class war sie nicht angesehen. Blöd. Und da ich ja auch neu bin und sowieso ein Assi-Image habe, dadurch dass ich jung bin und ein Kind habe.. muss ich ja aufpassen. Oder? Sicherlich.
Ich habe also ab und an genervt über diese Frau K. gesprochen. So, als würde ich sie auch nur dulden.

Irgendwie ging diese Geschichte mir nicht richtig aus dem Kopf. Ihr aus dem Weg gehen? Nicht aus dem Weg gehen? Warum ihr aus dem Weg gehen? Mag ich sie? Mag ich sie nicht?
Ich mag sie nicht, weil "man" sie nicht mag, oder?
Vermutlich.
Frau K. hat mir nichts getan. Frau K. hat vermutlich noch keiner Fliege was zu Leide getan - außer aus ihrer Naivität heraus.
Ich denke nicht, dass Frau K. alles richtig macht und meine beste Freundin werden wird. Ich denke auch nicht, dass ich näheren Kontakt zu ihr möchte - einfach weil sie zu der Art Menschen gehört, die sich sofort in jeden verlieben, der ihnen zu nahe kommt. (Will sagen: ganz schnell wird man dann zur besten Freundin, ohne dass das in irgendeiner Weise auf Gegenseitigkeit beruht..)
Aber das steht ja auch gar nicht zur Debatte.

Wichtig ist, dass ich mich habe beeinflussen lassen vom Geschwätz der Leute.
Ich habe gedacht, dass es wichtiger ist, vor den Reichen gut auszusehen, als vor Frau K..
Ich hatte Angst, als etwas gesehen zu werden, was ich nicht bin.

Aber mal ehrlich: ich will nicht abgestempelt werden.
Und ich will nicht abstempeln.

Ich mag es, wie Frau K. sich freut, wenn unser Kleines sie anlächelt. Da freue ich mich mit.

-- -- --

Es ist immer leicht, sich von den reichen beeinflussen zu lassen, um sie zu beeindrucken.
Aber es ist richtig, die armen zu beeindrucken, in dem man sie liebt.

1 Kommentar 1.12.11 21:48, kommentieren

Noch einmal schlafen.

Morgen bin ich ein Jahr älter.
Irgendwie fühle ich mich komisch, sentimental, alt, neu, gut, jung. Komisch.

Es ist nicht, dass ich angst vorm Altwerden habe. Vielleicht auch. Aber nicht vordergründig.
Es ist auch nicht, dass ich denke, ich habe in dem hohen Alter noch nichts erreicht.
Auch das ab und an, klar.
Es ist nicht, dass ich denke, ich habe schon zu viel durch.

Es ist mehr, dass ich mich frage: "Und weiter..? Was jetzt? Wohin?"

Ich habe noch einiges, was ich schaffen muss und will, Wege die ich gehen muss und will, Ziele die ich erreichen will.

Aber ich glaube ich habe eins, etwas ganz wichtiges, aus den Augen verloren: meinen Glauben, Gott.
Ich glaube noch immer, ich rede noch immer mit ihm, mein Leben basiert auf ihm, ich danke ihm jeden Tag für mein Leben und das meiner Familie.
Aber ich glaube, ich habe aufgehört, von ihm zu lernen.
Ich habe nicht mehr gefragt wohin, warum und wozu. Ich habe vergessen, dass Gott nicht einfach nur ein Bonbon ist.

Und wow, ich möchte wieder lernen. Nicht nur für mich. Ich möchte fragen und lesen und hören.
Weil hey - das ist mein Sinn. Ob man es glaubt oder nicht, einen anderen Sinn außer ihn, einen höheren habe ich nicht und werde ich nie haben.

Fühlt sich gut an, diese Erkenntnis.

In diesem Sinne; hoffen wir mal, dass es sich nicht schlimm anfühlt, 25 Jahre alt zu werden.

1 Kommentar 24.11.11 21:06, kommentieren

Good Day.

Hallo zurück in meinem guten alten Blog!

Ich werde einfach so tun, als wäre ich nie weg gewesen - und damit beginne ich jetzt.

Wir sind umgezogen in eine kleine aber feine Kleinstadt. Hier ist es ruhig und nett und schön. Die Leute sind wie über all in diesem Bundesland - aber ich liebe sie.
Die Stadt an sich ist wunderschön. Der Ort an dem wir wohnen noch viel schöner.

Letztens kam ich von einem Shopping-Tag aus der großen Stadt heim. Ich habe das noch nie erlebt.
Ich setzte mich auf die Terasse - und konnte nicht glauben, wie meine Ohren geklingelt haben. Ich konnte nicht glauben, wie laut Ruhe sein kann, wenn man zuvor dem Krach der Stadt ausgesetzt war. Ich konnte noch weniger glauben, dass mir nie vorher aufgefallen ist, wie laut es eigentlich in der großen Stadt ist und wie stressig - wie ungesund.

Dass ich mal sowas sage - daran habe ich nicht nur nicht geglaubt sondern niemals in irgendeiner Weise in Erwägung gezogen;
Ich liebe diese Ruhe hier, diese Luft, die Aussicht. Ich vermisse nichts.
Wahnsinn, oder?

Heute haben wir Flyer für eine Freundin ausgeteilt in den Läden hier in der kleinen Kleinstadt. War ganz lustig, gute Gelegenheit mal alle Geschäfte hier auszuchecken. Jetzt weiß ich, was man hier so alles kaufen kann. Man glaubt es kaum, es gibt hier eigentlich alles.
In der großen Kleinstadt in der wir vorher gewohnt haben, gab es weniger Läden.
Na vielleicht bilde ich mir das auch nur ein - ich war dort nie einkaufen. Aber irgendwie finde ich die Läden hier süß und toll und ich mag die Leute die hier verkaufen.
Vermutlich ist es eine Art rorsarote Brille.
Ganz gut so - denn vermutlich mögen mich die Leute hier nicht so gerne wie ich sie.
Eine Dame heute zum Beispiel hat mir sehr unmissverständlich klar gemacht, dass sie mich sicherlich nicht leiden kann.

Ich ging in einen Laden. Die Dame telefonierte, legte auf. Ich sprach mein Textchen herunter. Sie: "AAAAAAACH, das ist ja das Kind von *Name meines Freundes*!" (Ich hatte das Kleine umgeschnallt in einer Babytrage) Ich: "Ja." Und fragte mich, woher sie das wusste.
Wir hatten uns am vergangenen Samstag auf einem Geburtstag gesehen. Sie ist die Großtante von nem Cousin von meinem Partner. Wow. Ich hatte mich ihr nicht vorgestellt - sich sich mir auch nicht. Wir waren mit dem kleinen Wesen beschäftigt, da es schon sehr müde war.
Wie dem auch sei, sie sah mich sehr abwertend an, ich fragte sie, wer sie denn sei, entschuldigte mich höflich, dass ich mich am Samstag nicht vorgestellt hatte und holte dies nach.
Sie hätte auch die Hose herunter ziehen müssen und mich kräftig anpupsen. Wäre zumindest ehrlicher gewesen.
Aber das tut eine Lady nicht. Sie würdigte mich keinen netten Blickes, schäkerte nur mit dem Baby, tat als wäre ich nicht da und falls sie mich ansah - dann nur um mir mitzuteilen, dass ich minderwertig bin.
Sie fragte dann noch: "Ach, und das machen Sie so Hobbymäßig..?" Ein schräger Blick auf die Flyer und ein fies-mitleidiger Blick auf mich.
Ich bleibe bis zur letzten Silbe freundlich. "Nein, nein. Das ist der Blumenladen einer Freundin und ich helfe ihr aus. Ein Freundschaftsdienst also."

Wow. Ich bin irgendwie wütend und verletzt. Diese dumme, ignorante, verbohrte Frau.

Ich will mir meine Laune und meine rosa Brille aber nicht verdüstern lassen.
Es gibt immer Menschen, die einen nicht mögen. Und ich wohne nun schließlich in einem etwas älteren Dörfchen. Und wir sind etwas anders.
Wie dem auch sei, ich werde mich davon nicht unterbuttern lassen.

Was auch noch schön ist, ist die Krabbelgruppe in die wir jetzt gehen. Die anderen Frauen dort sind super nett, die Kinder sind lustig - und dem kleinen Wesen gefällt es vermutlich irgendwann auch. Momentan ist alles noch laut und wild. Unseres ist das jüngste dort, die Andern können alle schon mehr. Obwohl da auch einer dabei ist, der ist einen Monat älter und kann genau so viel.

Tja. Ich resümiere:
I Love Kleinekleinstadt

14.11.11 21:37, kommentieren

Warteschleife im Actionfilm.

Heute eine Sendung über Ernst Jandl gehört. Ottos Mops kotzt und co. Und das ist noch eins der "normalen" Gedichte.
Interessant, der Dadaismus. Komisch.
Und seltsam, dass dabei was rüberkommt. Mehr als nur quirl.
Ich werde mich damit beschäftigen.

Wie dem auch sei, wir ziehen bald in die neue Wohnung ein. Ich freue mich darauf.
Langsam nimmt alles Gestalt an, die Planung kann man mittlerweile Planung nennen, es stehen schon einige Kisten in der Bude und ich glaube seit gestern auch daran, dass wir die Küche sauber bekommen und uns darin wohlfühlen können.

Die Sachen die wir noch kaufen müssen schaffen wir auch. Kühlschrank, Spülmaschine, Trockner. Seit ich nicht mehr rauche, habe ich echt mehr Geld. Schön.

Dass wir in den Urlaub fahren, habe ich vielleicht auch noch nicht erzählt, oder? Ich freue mich total darauf. Nach Dresden und Prag. Unpretentiös, einfach weg bevor der schlimmste Trouble über uns kommt.
Auto fahren mit Musik, geschmierten Broten, Wasserflaschen und vollgestopftem Rücksitz.
I Like.

Wir, das sind übrigens mein Herzbube und ich.
Unsere Geschichte werde ich hier vielleicht auch noch einmal veröffentlichen. Muss eigentlich sein. So abstrus wie sie nun mal ist.

Auch der Rest meines letzten halben Jahres ist vielleicht von Interesse. Einfach kurz und knapp umrissen.

Für alle Sensationsgeilen; die spektakulären Dinge, die ekligen Dinge werden hier nicht zu lesen sein.

Jedenfalls wartet auf uns ein spannender Winter und ein noch spannenderer Frühling.
Wir gehen Schritt für Schritt und ich liebe es, diese Schritte zu gehen. Gerade freue ich mich einfach nur auf den Umzug. Darauf, in meinem schönen, lichtdurchfluteten Wohnzimmer eine Bananenpflanze zu platzieren, auf der Couch zu sitzen und zu studieren oder mit meinem Herzbuben zu schweigen.

Die Uni ist bei mir jetzt übrigens auch endlich losgegangen. Und alles ist viel besser als erwartet. Ich komme Themenmäßig hinterher, ich habe Spaß daran, mein Gehirn wieder zu nutzen und endlich wieder meiner Materie zu fröhnen.

Meinem Hundetier geht es auch gut. Gerade sind die Weibchen fruchtbar - das heißt er durchlebt eine anstrengende Zeit. Alles muss abgeschnuppert werden und analysiert. Und bespringen darf man dann doch wieder keine von ihnen. Das muss hart sein, für so einen Hund. Aber er ist der beste Hund, den es so gibt und ich bin sehr, sehr froh, ihn immer noch an meiner Seite liegen zu haben.

Einen schönen Tag euch,
ich muss jetzt los. Die Arbeit ruft!

9 Kommentare 30.10.11 22:20, kommentieren

Wunderschöner Herbst.

Es ist wunderschönes Wetter draußen. Die Sonne scheint, die Bäume werden immer leerer, ihre Blätter nehmen die verschiedensten Farben an und der Wind ist immer frischer.

Elmo und ich rennen viel durch die Welt. Unser Leben wird wieder etwas regelmäßiger. Schön.
Heute Morgen beim langen Spaziergang hat mich die Sonne so dermaßen geblendet, dass es richtig unangenehm war, in sie hinein zu laufen. Aber die Wärme, die Freundlichkeit die sie verstrahlt ist so schön.
Es ist richtig Herbst geworden - und wir haben kaum Regentage.
Ich finde, das sollte man sich öfter bewusst machen. Auch wenn der Sommer nicht so schön war. Ein goldener Herbst ist vielleicht noch schöner für eine gewisse Seelenruhe.

Was in der letzten Zeit so passiert ist, ist wahnsinnig aufregend gewesen - ist es immer noch. Es gibt Ereignisse und Wendungen, die das Leben so dermaßen schneller und wilder werden lassen, dass man beinahe den Überblick verliert. Und weil alles so schnell und wild ist, so unübersichtlich, kann man gar nicht mehr versuchen den Überblick zu gewinnen.
Und irgendwann dann, wie jetzt bei mir, wird es wieder ruhiger. Man sieht klarer, man kann wieder denken, Steine fallen von den Schultern - und alles entwirrt sich langsam.

Bald, nächsten Monat, beziehe ich eine neue Wohnung. Meine eigene Wohnung. Mit einem Mitbewohner und Elmo.
Wir sind gespannt, wie es wird. Irgendwie ist es auch alles noch nicht richtig in trockenen Tüchern, ungewiss wie wir all das zahlen sollen, alles einrichten und planen und umziehen bei all dem, was nebenbei zu tun ist - aber wie die ganze Zeit schon, versuche ich einfach weiter zu gehen, ohne Angst, mein inneres Kind an der Hand.
Das funktioniert sehr gut.

Es ist wirklich viel zu tun gewesen, das letzte halbe Jahr. Ist es immer noch. Aber wie gesagt; Regelmäßigkeit kehrt ein. Das ist immer etwas entspannender als dauerndes Hin und Her und Chaos und Wildernis.

Jetzt jedenfalls studiere ich wieder. Mir geht es gut damit. Überhaupt geht es mir recht gut. Ich freue mich am Leben. Ich genieße es in vollen Zügen.

So viel als Update von mir.
Ihr könnt hier nun wieder öfter von mir lesen.

Liebe Grüße aus Hessen!

1 Kommentar 25.10.10 16:06, kommentieren

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