hang on..

"Moment!", dachte ich letztens, "Was geht ab?"
Ich drehte mich einmal um mich selbst und hatte keine Ahnung, wo ich mich befinden könnte.

Alles um mich herum war grün und bordeax-rot und weich und komisch.
Ich hatte also wieder einmal versagt? Wieder nicht den richtigen Weg gefunden?
Und dann plötzlich sah ich meine Freunde wieder: sie winkten mir zu und riefen: "Heeeheeey, hier sind wir!"
Ich war irgendwie erleichtert. Es schien wohl doch noch nicht zu Ende zu sein. Halleluja!

Wir liefen auf dem Festgelände herum. Die Eltern eines Freundes waren die Gastgeber, wir konnten uns also auch im Backstagebereich aufhalten. Wo wir nur wollten.
Es war toll.

Wir liefen so durch die Gegend, kamen in irgend eine steinige Landschaft und plötzlich lief uns eine alte Frau entgegen.

Wir schauten uns an und dachten alle, die Dame würde uns sogleich anschreien, wir sollen doch von ihrem Gelände verschwinden - doch das Gegenteil war der Fall.

"Halloo! Wie schön, dass ich einmal Besuch bekomme. Kommt doch herein, ich zeige euch mein Haus."
Und plötzlich sahen wir die riesige Villa. Es war ein wirklich wahnsinnig großes Gebäude in einem großen Felsen, das wohl die Eigenschaft hatte, unsichtbar sein zu können. Wir standen nämlich irgendwie schon die ganze Zeit davor - und hatten es nicht gesehen.
Wie dem auch sei, nun sahen wir diese Villa in ihrem ganzen, großen Glanz.

Die alte Dame öffnete mit einer beängstigenden Leichtigkeit die riesigen Tore des Hauses. Was dann vor unseren Augen erschien, war noch größer und schöner und beeindruckender als das Gebäude an sich.

Vor unseren Augen breitete sich eine riesige Halle aus, mit Decken, die höher waren als die höchste Decke eines riesigen Doms oder einer riesigen Produktionshalle oder oder oder. Menschliche Augen bekamen soetwas hohes, glaube ich, selten zu sehen.
Wie dem auch sei, was sich darin befand, hatte ich schon einmal gesehen. Es war ein nicht von Menschenhand angebauter Jungel, ein Urwald - nicht natürlich und trotzdem Atemberaubend.

Wenn man die riesige Vorhalle betrat sah man zur Rechten und Vorne einen Wald. Zur rechten war der Wald nicht so dicht sondern eher licht. Aus seiner Mitte ragte ein riesenhaftes Sandburgähnliches Gebäude heraus. Es war einfach wahnsinnig.
Wie ich schon sagte, hatte ich diese Urwälder schon einmal gesehen, was mich irgendwie erschreckte.

Ich schaute die Dame an - und sie wusste, was ich sagen wollte.
"Ja.", sagte sie, "Du hast das hier schonmal gesehen, du warst schon mal hier."
Ich nickte nur. Ich war nicht verängstigt aber ich hatte Ehrfurcht. Mich durchströmte ein schönes Gefühl. Es war seltsam. Ich wusste, dass ich schon da war und die alte Frau kannte mich - und es bereitete mir keine Angst. Seltsam - aber ich akzeptierte dies ohne einen schlechten Hintergedanken.
Dann fragte ich, ob sie das gebaut habe und nun nickte sie nur.

Eine meiner Begleiterinnen fragte dann die alte Dame, ob wir nicht mal auf die Burg könnten.
Sie antwortete fast übertrieben erfreut, dass wir das sehr gerne tun könnten. Fast so, als hätte sie sich gewünscht, dass wir da rauf wollten.

Nur drei von uns beschlossen dann, auf die Burg zu gehen.
Und dann war es soweit.

Die andern zwei, ganz vorne die alte Dame, gingen vor. Ich weiß nicht warum - aber ich zögerte und bekam so den Anschluss nicht mehr ganz, musste also irgendwie alleine durch den Anfang. Es war kein schwerer Weg - aber schwerer als ich dachte. Es war weißer kalksandstein, kraterig, scharf und spitz. Ich zog mir Kratzwunden zu. Das machte mir nichts aus - aber mein Gefühl wurde schlechter.

Dann sah ich die Andern wieder. Sie waren schon an der Spitze angelangt und warteten darauf, dass ich endlich kam.
Ich war unter Druck. Ich wusste nicht, warum ich so nachzügelte. Aber ich tat es und ich kam nicht richtig voran.

Dann kam das Schlimmste: Der Kalksandstein hörte plötzlich auf und ein Luftweg folgte.
Ich versuche es mal zu beschreiben;
Es standen Bambusstangen, etwa Armdick, vom Boden richtung Decke senkrecht im Boden verankert, in etwa fünf meter Abständen. Sie bildeten einen Halbkreis und gingen vom Boden richtung Burgspitze. An ihrer Innenseite war waagerecht nach oben eine weitere Bambusstange angebracht, welche fest mit den Senkrechten Streben verschraubt war.
Auf dieser Waagrechten konnte man also gehen. Oder besser: balancieren.
Da man sich schlecht irgendwo festhalten konnte, existierte eine weitere waagrechte Bambusstange, die an der Obersten Stelle der Burg an einer Senkrechten Bambusstange befestigt war und am Boden. Zwischendurch war nichts befestigt, sie schwankte also.

Nun war ich also an der Reihe, dieses seltsame Gebilde hoch zu laufen. Ich fragte mich, warum man so etwas seltsames baute - und nicht etwas stabileres, eine Treppe oder so - aber wie dem auch war, ich musste dieses Ding erklimmen. Ich strengte mich an.
Ich begann zu laufen. Der anfang war nicht schwer, da war die Bambusstange noch recht stabil - doch je mittiger ich kam, desto schlimmer wurde es.
Ich sah die Andern nun wieder ganz deutlich und rief ihnen zu, dass ich das nicht schaffen würde.
"Doch, du schaffst das, vertrau dir! Wir haben es auch geschafft!", sagten meine Begleiter - und die alte Frau schaute mich vertrauensvoll an.
Ich dachte: "Okay, ich versuchs, ich schaff das schon." - und hatte trotzdem ein sehr schlechtes Gefühl.

Und ich lief und lief - und die Blicke meiner Gegenüber wurden immer düsterer und trauriger und irgendwie mittleidvoll. Ich schwankte da an meiner Bambisstange hin und her und lief und lief und schwankte und es war schrecklich! Ich wusste, dass ich nicht fallen durfte. Dann wäre ich tot. Doch ich wusste auch, dass ich versagt hatte, dass ich es nicht schaffe, eine Methode zu entwickeln, diesen Weg zu meistern, wie man ihn meistern könnte.
Ich würde es hinter mich bringen - aber lange nach der Zeit und Ewigkeiten nach Bestzeit.

Irgendwann kam ich oben an. Die Andern hatten mittlerweile schon ein wenig geschlafen, saßen gelangweilt herum.
Sie lächelten mich an - und taten als wäre alles normal.

Und ich wusste, mein Gefühl war richtig gewesen: ich hatte versagt.

Der grün und bordeaux-rote weiche Raum war wahr gewesen.

8.11.08 16:07

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mimme (9.11.08 16:02)
krass! wie kommst du auf sowas? war das ein traum?

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